kleines Weinlexikon

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Dezember 2009

Genußmittel mit langer Tradition


Wein ist sicherlich eines der ältesten Genußmittel. Seit mehreren tausend Jahren wird er aus Weintrauben hergestellt. So ist auch die Geschichte der Weinrebe ( Vitis) sehr alt. Wie lange der Mensch sie kennt, ist nicht genau anzugeben. Man kann nur sagen daß, sie bereits in ältester Zeit erwähnt wird.
Homer berichtete vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren Ereignisse aus der Zeit vor dem Fall Trojas, den man gewöhnlich 1184 v. Chr. ansetzt. Das homerische Troja, die Stadt de Priamos, ist die letzte, die auf dem Hügel von Hissarlik entstand, wo neuere Ausgrabungen die Reste anderer und früherer Städte aus der altminoischen Zeit (um 3500 v. Chr.) ans Licht gebracht haben; dabei wurden auch Samen der Weinrebe gefunden.
Bei der Belagerung Trojas verteilte Hektor, Führer und tapferster Held der Trojaner, ältester Sohn des Königs Priamos, an die Soldaten Brot und Wein. Die Zauberin Kalypso gab Odysseus, der die Insel Ogygia verlassen wollte, Kleider, Brot und Wein. Brot und Wein waren die Hauptnahrungsmittel.
Phönizier, Semiten und Hebräer kannten die Weinrebe und den Wein schon seit Jahrhunderten. Im Canticum canticorum (Hoheslied) der Bibel steht, daß die Weingärten Salomos blühten und dufteten, und daß der Befehl zu Jagd auf die "Vulpes parvulas" gegeben wurde, die die Weinberge verwüsteten. Noah pflanzte seine Weingärten nach der Sinnflut. " Noah aber fing an und ward ein Ackersmann und pflanzte Weinberge, und da er den Wein trank, ward er trunken ...". Die Erzählung der Bibel und des berühmten mesopotamischen Gilgamesch-Epos
wurden durch Funde in den Tonablagerungen in den archäologischen Schichten unter den Trümmern der berühmten Stadt Ur, der Vorläufer Babylons, bestätigt. Diese Funde werden auf 4000 v. Chr. datiert. Auch in der ägäischen Kultur war der Wein wohlbekannt. Die Pithoi, die großen Krüge des Palastes von Knossos ( Kreta ) -
2700 oder 3000 v. Chr. -, waren Weinkrüge. In Ägypten war der Wein zweifellos bereits seit 3500 v. Chr. bekannt, wie die Weinkelche, in denen man den Wein den Göttern darbot, und die zahlreichen Darstellungen der Weinreben auf Fresken beweisen. Im vorchristlichen Persien, so verraten alte Quellen, pflegte man wichtige Angelegenheiten trunken zu beraten. Fanden die Ergebnisse solcher Beratungen auch nüchtern Zustimmung, so waren sie in Ordnung. Wenn nicht, strich man sie schnell wieder aus dem Gedächtnis. Was aber nüchtern vorgeschlagen wurde, so haben die Chronisten überliefert, wurde dann in trunkenen Zustand noch einmal erörtert. Rebkulturen sind schon um 3500 v. Chr. am Euphrat und Tigris nachgewiesen worden. Über Syrien und Persien kam der Weinbau später nach Griechenland. Dort erlangte die Rebe zwischen 1700 und 1500 v. Chr. Bedeutung und damit auch eine hervorragende Stellung in der Mythologie: Bacchus und Dionysos ist der Gott des Weines.
Das wichtigste Zeugnis in Italien ist das Trinkgefäß von Cozzo Pantano ( Sizilien ), das in der spätminoische Zeit
gerechnet wird, also 4000 Jahre alt ist. Von Sizilien aus führten römische Legionäre den Weinbau schließlich nach Gallien und Germanien ein. Der Beweis, daß zunächst griechiche Rebkultur die Weinbauern an Rhein und Mosel entscheidend beeinflußten, findet sich im Speyrer Weinmuseum: Ein Steinrelief des altrömischen Wald- und Weingottes Silvanus. Die Form eines Winzermessers weist eindeutig in die Richtung Hellas.
In den klimatisch begünstigten Tälern an Rhein und Mosel fand der Weinbau schnell Verbreitung. Die gebürtige
Rheinländerin und römische Kaiserin Agrippina schwärmte sogar am Tiber für germanische und gallische Rebensäfte. Das aber erregte den Zorn des konservativen Kaisers Domitian. Gegen Ende des 1. Jh. n. Chr. ließ er die Rebkulturen Galliens und Germaniens vernichten und jede Neuanpflanzung verbieten.
Schließlich aber fand der Wein neue Freunde - so in Karl dem Grossen, der sich rund um seine Ingelheimer
Residenz Reben setzen ließ. Benedikt von Nursia bestimmte in einer Ordensregel daß jeder Mönch täglich einen viertel Liter Wein bekommen sollte. Zur Hochzeit des pfälzichen Kurfürsten Kar Theodor mit Elisabeth Auguste wurde ein goldenes Renommierfaß gefertigt. Fassungsvermögen: 5666 Liter. Ludwig II. ließ sich zur Verlobung ein eigenes Wappenfaß schenken. Und Bayern-König Max erhielt ein aufklappbares Zier- und Tischweinfäßchen zu Geschenk. Während die Griechen ihren Wein noch Honig, Käse und Gewürze beigaben und den Rebensaft mit Meerwasser vermischten, um die starke Verdunstung während der Lagerung und auf dem Transport wettzumachen, änderten sich auch die Tisch- und Trinksitten. Die Trinkgefäße konnten nicht nur alleine groß genug , sondern auch nicht schön und nicht seltsam genug gemacht werden. An den Trinkgefäßen erkannte man, ob es sich um Arme oder Reiche handelte: Die Armen tranken aus einfachen Holzbechern, die Wohlhabenden aus Zinn, die Reichen aus Silber oder kostbaren Gläsern oder Pokalen.
Durch Zufall entdeckte man sogar die Spätlese: Als im Jahre 1783 auf einem Weinberg des Schlosses Johannisberg, zur Abtei Fulda gehörig, die Genehmigung zum Beginn der Weinlese versehentlich zu spät eintraf, waren die Trauben, als die Ernte beginnen sollte, verfault. Die Überraschung war dennoch groß: Die Beeren ergaben einen feurig-süßenWein. Daß auch in der Christlichen Religion der Weinstock zum Symbol gottgefälligen Lebens wurde, ist keineswegs verwunderlich. Maria wird mit einem Weinstock verglichen, der der Menschheit eine Frucht die Vitis vera schenkte. Weinstock und Rebe sind auch ein häufiges Motiv in der sakralen Kunst (Tabernakel, Kapitelle, usw.). Wein wird heute in weiten Gebieten Mittel- und Südeuropas angebaut, in Deutschland besonders an der Moselund am Rhein.